DILLENBURG (js) _ „Großer
Bahnhof" für den frischgebackenen Ruheständler Dieter Scholz an der
Wilhelm-von-Oranien-Schule in Dillenburg: Mehr als 200 Gäste versammelten
sich gestern im Foyer des Gymnasiums, um ihrem Direktor „Auf
Wiedersehen" zu sagen und ihm die allerbesten Wünsche für den kommenden
Lebensabschnitt mit auf den Weg zu geben. 15 Jahre lang hatte der
Oberstudiendirektor Scholz die Geschicke der Schule gelenkt und sich dabei
manchmal nicht nur Freunde gemacht.
Der Blockflötenchor unter Leitung von Gisela
Boguth leitete die Feierlichkeiten am Donnerstag Nachmittag ein und
intonierte mit dem Chor unter Leitung von Armin Müller eine
Bearbeitung von „Lobe den Herrn der Welt".
Persönliche, humorvolle, aber auch
nachdenkliche Grußworte wünschten dem von Ehefrau Heidrun und Tochter Anke
begleiteten und sichtlich bewegten Direktor alles Gute für den neuen
Lebensabschnitt. Im Namen des Schulträgers würdigte Landrat Dr. Karl
Ihmels das Engagement des ausscheidenden Schulleiters. Gleichzeitig
wünschte sich der Politiker, „dass wir in Deutschland bald die Kurve
kriegen", wenn es darum gehe das bestehende Schulmodell zu reformieren.
Er, so Dr. Ihmels, hoffe auf mehr Gestaltungsmöglichkeiten und
Selbstständigkeit für die Schule. Als Schulamtsdirektorin dankte Elfriede
Geier für die zwar anstrengende, aber gute Zusammenarbeit mit Dieter
Scholz. „Er war immer einen Schritt voraus", erläuterte sie den
Ehrgeiz des Oberstudiendirektors und zeigte in humorvoller Weise die einzelnen
Stufen seiner Karriere auf. „Keiner war so kenntnisreich in der Erlasslage
wie Scholz in Dillenburg und er hat immer für seine Schule gekämpft",
begrüßte sie den Arbeitseifer des engagierten Pädagogen. Hartmut Schrewe
hatte eine provisorische Urkunde mitgebracht, denn zur Verabschiedung in den
Vorruhestand gäbe es noch kein „offizielles" Papier . Mit den Worten
„eine Diskussion mit Scholz ist nützlich, aber nicht immer einfach"
setzte er einen schmunzelnden Abschluss. Auch der Schulverbund und
Nachbarschulen sowie der Obmannsbezirk verabschiedeten Dieter Scholz mit
herzlichen Worten. Anerkennende und dankende Worte fanden auch Jutta Simon
für den Schulelternbeirat sowie Erik Fuhrmann seitens der
Schülervertretung.
Im Namen des Personalrates überreichte Johann
Wolferstetter das Geschenk des Kollegiums: eine fünftägige Reise nach
Paris für zwei Personen ins Hotel „Du Prés" - inklusive eines
Museumspasses und einer Nachtvorstellung im Moulin Rouge. „Sie waren
beherzt, offensiv und antreibend für unsere Schule und haben die Probleme
beim Schopf gepackt", lobte Wolferstetter den ehemaligen Chef.
Zum Höhepunkt der Verabschiedung dürfte der
gesangliche Rückblick des Lehrerchores gehört haben, der wundervoll
moderiert von "Vize" Manfred Dietermann, den Saal in Stimmung
versetzte.
Musikalisch gaben die Lehrer einen Einblick in
die Epoche des Dieter Scholz. "Der Neue" wurde argwöhnisch
betrachtet und seine Eigenarten enttarnt. Die Hierarchie an der "WvO"
- Hausmeister - Schulamt und Sekretärinnen - musste auch Dieter Scholz erst
lernen und begreifen. Melodien aus bekannten Schlagern und Reigen wurden auf
Schule und Chef umgedichtet und hervorragend intoniert. Wundervoll erschallte
unter anderem "Veronika, der Scholz ist da", oder "Ursel mach
kein Quatsch" vom Solisten Johannes Hickel. Alte und neue Bilder
aus 15 vergangenen Jahren wurden über eine Leinwand präsentiert und rundeten
das "Musical" perfekt ab. Sah doch der junge Scholz aus wie Burt
Reynolds und verwandelte sich später in Armin Müller Stahl,
befanden die Lehrer in ihrem Rückblick. Auch die "gute Seele" der
Bibliothek, Rosi Kowalski, wurde in Liedform geehrt. Abschließend
wurde es allen Anwesenden warm um Herz, denn bei der getragenen Weise
"Sag beim Abschied leise Servus" und dem "Adieu mein kleiner
Gardeoffizier" kam vor allem beim scheidenden Direktor Wehmut auf. Das
letzte Wort im offiziellen Teil sollte ihm gehören und er gestand, auch nach
all den Jahren immer noch Spaß an seiner Arbeit gehabt zu haben. Scholz
verwies aber auch auf die neue Herausforderung, dass in Deutschland Schule neu
gedacht werden müsse. Lehrer sollten lernen, mit Kritik umzugehen und sich
neuen Methoden und Modellen zu öffnen. "Ich freue mich mit Ihnen
gearbeitet zu haben und darüber, dass sie meine Launen ausgehalten
haben", lobte er abschließend Kollegium, Eltern und Schüler und
genoss mit ihnen gemeinsam einen Abschiedsimbiss.
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